Mittwoch, November 29, 2006

Falsch

Es scheint an mir alles so falsch zu sein, meine Ruhe, meine Gedanken, meine Reaktionen. Ich bin wie ein Fremdkörper in einer Welt die nach Gesetzen funktioniert, die ich nicht begreife. Alles ist so fremd und schwierig. Ich habe Angst. Nach so vielen Jahren habe ich immer noch Angst und komme nicht dagegen an. Traue ich mir selbst nicht genug über den Weg, bin unsicher und weiß nicht was ich mit anderen reden soll. Wieder zieh ich mich zurück, schotte mich von den anderen ab. Um mich herrscht Ruhe, aber es ist nicht Ruhe, weil ich es möchte, sondern weil ich mich Stück für Stück von den anderen abschotte. Die Furcht davor wieder so verletzt zu werden, wieder ausgelacht zu werden, weil sie mich nicht verstehen ist noch größer geworden. Jedem der mir zunahe kommt, gehe ich aus dem Weg. Meine Mauern sind hoch und dick, auch wenn sie keiner sehen kann und selbst ich sie nur spüre, weil ich weiß dass sie existieren. Und zugleich steht die Furcht im Raum jemanden auf den Nerv zu gehen, eine Belastung zu sein und sie letztlich wieder zu enttäuschen, weil sie sich um mich sorgen. Und ich, ich will einfach nur raus da, weiß aber nicht wie, zögere und verheddere mich in den Fäden, an denen ich hänge. Manchmal fühle ich mich wie eine Puppe, unfähig zu leben oder auch nur einen Schritt allein zu gehen. Bisweilen beobachte ich, wie ich nach und nach alles zerstöre und schleifen lasse, das ich mit guter Arbeit erreicht habe. Noch so etwas, manche Dinge liegen mir und andere nicht, die Dinge, die mir liegen, in denen ich gut bin, für die brauch ich mich nicht anstrengen, sie fliegen mir förmlich zu. Aber anderes fällt mir unglaublich schwer, als ob ich kein Gehirn zum Denken habe. Wenn ich diese schweren Dinge dann gemeistert habe und anderen zeige, bekomme ich oft nur ein aha-Feedback und die Dinge, die mir leicht fallen, für die ich nichts tun muss, werden über den goldenen Klee gelobt. Wo ist denn da bitte der Sinn, sich anzustrengen und zu arbeiten? Ich weiß nicht wohin mit dem Schmerz der in meiner Seele tobt, weiß nicht was ich tun soll gegen das Gefühl nicht vollständig zu sein, irgendetwas fehlt und seine Abwesenheit zerreißt mich Stück für Stück. Wenn ich in den Spiegel sehe, finde ich nur Bruchstücke vor, Bruchstücke die zu einer Person gehören und eigentlich ein Ganzes sein sollten. Manche Stücke sind so fein und klein gesplittert, dass die Fläche stumpf ist und nichts reflektiert, kein Licht und auch nicht mich.

24.11.2006
© Sean Dimitjana

Freitag, November 24, 2006

Zerbrochen

Mein Spiegel steht vor mir, doch ich kann mich darin nicht sehen. Das Glas, in dem ich mich einst gesehen habe, ist zersplittert. Nur noch Bruchstücke sind vorhanden, aus einem davon blickt mich ein kleines Mädchen an, sie ist drei vielleicht vier und lacht. Sie sieht glücklich aus, das bin ich nicht mehr.

In einem anderen Stück sehe ich eine scheue junge Frau, zurückhaltend, vorsichtig und fragend lächelt sie mir zu. Sie hat kein Vertrauen, sie hat Angst und zweifelt. Sie will die Anerkennung der anderen, doch ist sie unsicher, weiß nicht wohin sie sich wenden soll, weiß nicht was sie tun kann, damit die anderen sie akzeptieren.

Noch ein Splitter blitzt auf mit einer starken, beschützenden Person. Für die anderen riskiert sie alles, aber an sich selbst denkt sie nicht, kümmert sich nicht um sich selbst, weil sie es zur Meisterschaft gebracht hat, vor allem und jedem wegzurennen, am meisten vor sich selbst.

Eine andere Facette, eine Künstlerin, völlig vertieft in ihre Malerei. Sie ist über und über mit Farbe beschmiert und scheint vollkommen losgelöst von allen Sorgen und Ängsten zu sein. Ihre Ruhe und Sicherheit macht sie stark. Ihre Bilder erzählen von Ihrer Seele.

Bruchstück um Bruchstück zeigt sich ein Teil von mir, aber es ergibt kein komplettes Bild mehr. Die Stücke haben ihren Platz in meinem Leben verloren, gehören nicht mehr zu mir, zeichnen Bilder von Personen, die ich sein könnte. Irgendwann waren sie alle ein großes gemeinsames Wesen, ein komplettes Stück. Doch sind sie nach und nach auseinander gebrochen, zerfallen in so kleine Mosaikteile, dass es schwer wird sie wieder zusammenzusetzen und noch schwerer, sie wieder zu einem Wesen verschmelzen zu lassen.

Mich gibt es bis zu einem gewissen Punkt nicht mehr, ich habe aufgehört zu sein, einzig eine unsichere junge Frau ist zurückgeblieben, die nach außen den Erwartungen entspricht. Zuverlässig und immer verfügbar scheint. Die wenigsten können dahinter die wahre Person sehen, die nur nach Anerkennung sucht und einfach dazugehören möchte.

24.11.2006
© Sean Dimitjana

Mittwoch, November 01, 2006

Tote Seele

Die Augen brennen
von ungeweinten Tränen,
dem eingegrabenen Schmerz,
für beides gibt es keinen Weg.

Die Seele ist verkümmert,
jegliche Empfindung ein Farce;
nichts berührt das Herz,
kein Kummer, kein Schmerz.

Einzig die Brandnarben
der Vergangenheit,
die tief aus dem Inneren
nach außen dringen,

schmerzen
die sterbende Seele,
rufen
eine Empfindung
im toten Geist
hervor.

01.11.2006
© Sean Dimitjana

Sonntag, August 27, 2006

Mut?

Wege so verschlungen und unklar,
dass es kaum möglich scheint sie zu gehen.
Und dennoch sind es diese dunklen Pfade,
fern jeder Realität in der Dunkelheit,
die ich wähle und beschreite,
ungewiss dem entgegen, das mich erwartet.

Begleitet von seltsamen, fremden Gedanken,
folge ich meinem Selbst in die Zukunft,
stets darauf bedacht sicher zu sein,
mir vertrauen zu können,
dass ich mich nicht töten werde,
was da auch kommen mag.

Ist es mut, der mich voran treibt?
Oder der tiefe Wunsch nach Leben?
Und wohin führt mich das alles?
Habe ich überhaupt ein Leben,
für dass es sich lohnt mutig zu sein?
Oder wäre es falsch...?

27.08.2006
© Sean Dimitjana Barleben

Freitag, Mai 26, 2006

Weg

Lerne mein Kind,
spüre den süßen Schmerz,
der sich Leben nennt.

Lebe geliebtes Wesen,
spüre die große Kraft in Dir,
die sich Vertrauen nennt.

Sei aufmerksam Junges,
spüre das Streben und Verlangen,
das sich Wunsch nennt.

Sei vorsichtig behutsam Lebendes,
spüre das tiefe Brennen in Dir,
das sich Liebe nennt.

26.05.2006
© Sean Dimitjana

Freitag, April 21, 2006

Beyond Worlds

Inspiriert von Jasmin und ihrem Bild BEYOND.

Der Himmel über der Stadt war aufgerissen und offenbarte einen dunklen Sternenhimmel. In der Ferne schimmerte es blutrot und lila, durchbrochen vom Weiß der Wolken. Verborgen dahinter lag der silbrige Vollmond, er spiegelte sich weit unter sich selbst in einem großen Binnensee. Auf eben jenem See glitt ein Boot durch das dunkle Wasser. Der Reisende konzentrierte sich nur auf das Ziel seines Weges, einem Anlegeplatz am anderen Ufer des Gewässers. Er hatte keine Augen für die Stadt in den blutroten und lila Wolken, die sich bei jedem Vollmond für einige Stunden zeigte. Sein Blick glitt zu den Bergen und den Nebelschwaden, welche langsam ins Tal herabkamen. Auch wenn sich hinter den Bergen schon der Morgen ankündigte und die erwachende Sonne ihre schwachen Strahlen über die Kuppen sandte, war es besser, wenn er das Ufer erreichte. Hatte erst einmal der Nebel die Wasser überzogen, dann war es unmöglich ans Ufer zu kommen bis das Sonnenlicht die Schwaden durchdrang und verschwinden ließ.
Und so lange hatte der Reisende nicht Zeit, er hatte eine Nachricht zu überbringen; das Gleichgewicht war verloren worden und es lag im Interesse aller, es wieder herzustellen, auch wenn einige dies nicht wollten. Mit der ganzen ihm zur Verfügung stehenden Kraft konzentrierte sich der Reisende auf sein Ziel. Er erreichte es wenige Momente bevor die Nebelschwaden den See erreichten. Es schien als wolle der Nebel nach dem Boten greifen.
"Lasst ihn in Ruhe. Er hat die Prüfung bestanden, haltet Euch also an Eure eigenen Regeln!", grollte eine Stimme und aus dem Nebel trat ein riesenhaft wirkender Schattenwolf. "Willkommen zurück."
"Danke, Fenris." Der Wanderer überreichte dem Wesen vor sich eine Rolle, welche zu leuchten begann, als Fenris sie berührte. Zufrieden nickte der Wolf und wandte sich um.
"Wir werden uns wieder sehen, irgendwann, Fenris." Der Bote löste sich lächelnd in Luft auf.

21.04.2006
© Sean Dimitjana Barleben

Samstag, Dezember 31, 2005

Wunsch - Rausch

Deine süßen Lippen,
ich will sie jetzt
auf den meinen spüren

will Dich fühlen,
wie Du Dich
an mir reibst,

mir
Deinen Körper
entgegendrängst

und
mich
erregst

bis in
die Tiefen
meiner Seele;

will spüren
wie Du meine Welt
zum Erzittern bringst

mich um
den Rest Verstand bringst,
den ich noch besitze,

will nicht ruhen,
ehe ich Dich
überall erkundet habe

und
Dein Blut
zum Rasen gebracht habe

will mich
fallen lassen
in Dich,

Deine Art,
Deine Nähe,
Deine Geborgenheit,

Deine verletzliche Stärke,
die mir
immer Mut macht

will
vertrauen
und Halt finden,

wo es
schon lange
keinen mehr gibt,

möchte
glauben und hoffen,
wo doch alles zu Ende ist

und es
kein Zurück mehr gibt
nicht für mich

ebenso wenig
wie ein
gemeinsames Morgen

will mich hoffnungslos
an Deiner Liebe,
Deinem Leben betrinken

die wenigen Momente
des gestohlenen Glücks
genießen

ehe
auch sie mir
durch die Hände gleiten

wie Wasser,
das ich
nicht halten kann

auf seinem
nie endenden Weg
zurück ins Meer

ich hätte es
wissen müssen,
das Du mir nicht

auf ewig gehörst
nicht auf ewig
mein sein kannst

doch
will ich nicht
ohne Dich sein

ebenso wenig
wie ich
mit Dir sein kann

Du bist alles
was ich
je ersehnte

und
zugleich auch alles,
das ich je fürchtete

und dennoch
Du hast meine Ketten
nicht gelöst

konntest
sie
nicht sprengen

stattdessen
haben sie sich
fester gezogen

halten mich
mehr denn je
gefangen

in meinen
eigenen
Unzulänglichkeiten

mit denen
ich doch nur
die anderen verletze

komm
sei
bei mir

lenke mich
von meinen trüben
Gedanken ab

zieh mich
in Deinen Rausch
in Deinen Bann

lass mich
Dich
spüren

lass
meine Welt
erbeben

lass mich
alles andere
vergessen

und
in Dir
versinken

in Deiner
Geborgenheit
ertrinken

und alles loslassen
für einen weiteren Moment
gestohlenen Glücks

es gibt Nichts
was diese Welt
mir noch geben kann

nur Du
hältst den Schlüssel
in der Hand,

der mich
zurückbringen
kann

doch
den Preis
will ich nicht zahlen

lass mich
in meinem Rausch
erfüll mir diesen Wunsch

und lass mich sterben
in der Fremde,
die ich mit dir teile

und mich
an Deinem Wesen
gütlich tue

Dein Wesen
mich zum Erbeben bringt
und mich frei lässt

lass mich treiben
haltlos
in meinen Untergang

lass mich einschlafen
ohne je wieder
zu Erwachen

gönn’
mir
diesen Rausch.

31.12.2005
© Sean Dimitjana

Samstag, Dezember 17, 2005

Sie

sie war nicht sehr begeistert,
sie hat ihren Besitzanspruch auf dich geltend gemacht
- sie wollte dich haben
und sah nicht ein, was sie einmal hatte wieder herzugeben,

sie hat angefangen dich zu ersticken,
du begannst dich zu wehren,
hast dir deine Luft zum atmen zurückgeholt,

dennoch hängt ihr Schatten noch über dir,
lässt dich nicht los,
der schmerz hat sich in deine Seele gebrannt,
sie hat dich gebrandmarkt,

alles was dir gelingt weckt ihren Neid,
unter allen Umständen will sie dich besitzen,
ob sie dich dabei zerstört, ist ihr egal

in ihren Augen bist du ihr Besitz,
du hast deine Rechte verwirkt,
in dem Moment in dem du dich ihr anvertrautest

für sie gab es immer nur sie,
kein dich, ein wir war selten genug,
dennoch mochtest du sie

selbst jetzt fällt es schwer sich von diesem Schatten zu lösen,
das Vergangene Ruhen zu lassen, denn die Wunde bricht immer wieder auf,
wann ist es endlich vorbei


17.12.2005
© Sean Dimitjana

Freitag, Oktober 28, 2005

Verloren

Und der Schmerz wird nicht verschwinden,
bittersüß frißt er sich in mein Herz,
nimmt alles Gute fort,
bis nur noch Kummer bleibt und keine Hoffnung mehr,
nur die Gewißheit, dass ich Dich noch immer liebe bleibt zurück,
das Wissen Dir nah zu sein und zugleich ferner als jemals zuvor.

So sehr ich auch weine, versuche loszulassen, es ändert nichts daran,
dass Du mir wichtig bist und mir so sehr fehlst,
dass ich nicht mehr denken, nicht mehr fühlen kann
und auch nicht mehr leben will, mit dem Schmerz der mich auffrißt.

Alles was je einen Sinn gab hat aufgehört zu existieren,
ist im Nichts verschwunden und hat Leere hinterlassen,
diesen stillen Gast, der sich unmerklich ausbreitet,
wenn man aufwacht und es bemerkt, ist es zu spät.

Ich will nicht mehr erwachen ohne Dich an meiner Seite,
ich möchte schlafen bis Du zu mir zurückkehrst um mich zu wecken,
ich kann es nicht ertragen ohne Deine Nähe zu sein
und auch nicht wenn Du bei mir bist.

Sieh mich nicht so an, mit diesen Augen, die meine Seele kennen,
schau nicht so gekränkt, was erwartest Du,
mein Herz ist in Deinen Händen und Du gibst es nicht her,
warum ist nur alles so schwer?

Kein Augenblick, kein Atemzug vergeht,
ohne dass ich Dich und Deine Art vermisse,
Du bist noch hier bei mir, lebst mit mir,
aber Deine Seele ist fort, verweilt nicht mehr bei mir.

Ich kann sie nicht mehr berühren, erfühlen,
denn jemand anderes hat sie gefunden
und in Besitz genommen,
wieso musste es so kommen?

Geh!
Bleib bei mir!

Ich weiß nicht mehr was ich mehr will,
mein Herz zerbricht immer mehr
und ich möchte es nicht länger ertragen,
will keinen Schmerz mehr spüren.

Ich habe Dich verloren,
es gibt kein gemeinsames Morgen,
nicht jetzt und auch nicht irgendwann,
es ist zu Ende. – Geh!

28.10.2005
© Sean Dimitjana

Dienstag, Oktober 25, 2005

Wunsch

Und ich wünschte Du wärst noch hier,
hier bei mir auf unser’m Schiff.
Doch ich steh allein am Bug,
aus dem Wir ist ein Ich geworden.

Der Wind umschmeichelt mich,
versucht mich zu trösten
und lässt mich Deine Umarmung spüren,
wissend Du wirst mich nie mehr berühren.

Und der Schmerz wird nicht enden,
denn noch immer hast Du mein Herz,
bin ich gefangen von Dir,
möchte bei Dir bleiben.

Ich wünschte ich hätte Dich nicht gehen lassen,
hätte mir mehr vertraut
und meinem Gefühl geglaubt,
das mich warnte – Du verlierst ihn.

Nun ist es zu spät, wird sich nichts mehr ändern,
unsere Welten sind ferner als jemals zuvor,
Du wirst Dein Glück finden
und ich irgendwann das meine.

25.10.2005
© Sean Dimitjana

Mittwoch, September 21, 2005

Frei


Frei
Originally uploaded by jarod_liam_bea.

Fallen lassen in Geborgenheit
Ruhe finden in vertrauter Zuflucht
geschützt sein vor dem Fremden
in der Übersichtlichkeit des Alltags Kraft finden
orientieren und neue Wege gehen

Vergangenes ruhen lassen
sich lösen von dem Schmerz
der das Herz umklammert
und einen nicht atmen lässt

akzeptieren, das aus dem uns
wieder ein Ich geworden ist
nochmal anfangen zu leben

und doch im Wind
deine tröstende Umarmung spüren

21.09.2005
© Sean Dimitjana

Donnerstag, September 01, 2005

~ She’s all I ever had ~

~ She’s all I ever had ~


Sie ist alles das ich je hatte und doch kreisen meine Gedanken nun nicht mehr nur um sie. Es ist verwirrend, irritierend und ich weiß nicht wohin mit mir. Auf der einen Seite hoch auf fliegend vor Glück und auf der anderen betrübt, trauernd und schuldig. Es scheint mein Spiegel ist zerbrochen und hat sich in verschiedenen Personen wiedergefunden. Er lässt mich suchen und suchen, nicht darauf achtend, dass ich langsam ebenso zerbreche wie er. Zerrissen von diesem Widerspruch, langsam den Halt verlierend und doch vor Freude taumelnd. Ich will mich nicht entscheiden müssen, will diese Fragen nicht stellen müssen, wie sie zu mir stehen, was ich ihnen bedeute und dennoch weiß ich dass ich diese Klarheit brauche, unbedingt verstehen muss warum und wieso.


~ She’s all I ever had ~


Warum nur habe ich solche Angst davor sie zu fragen, wie es ist. Vertrau ich ihr denn nicht? Habe ich nicht letztens erst zu jemand anderen gesagt, wenn du soviel Angst zu fragen, dann solltest du dir Gedanken machen, was an Eurer Freundschaft nicht stimmt.
Ich mache mir diese Gedanken und komme zu dem Schluss, dass ich zuviel Angst habe sie zu verletzen. Auch fürchte ich sie zu verlieren, weil sie immer alles abblockt, ich nicht zu ihr durchdringen kann und nicht weiß ob sie verstehen kann wie schwer es für mich ist. Es für mich noch schwerer wird, weil ich nicht weiß ob ich sie das jetzt fragen soll, ob sie soweit ist.
Und vielleicht bin es auch ich, die nicht soweit ist, Angst hat nicht mehr mit jemanden zusammen sein zu dürfen, der mir am Herzen liegt, den ich nicht missen möchte und auch nicht verletzen will.
Es fühlt sich alles so konfus an, es ist fremd und faszinierend. Doch macht es mir auch Angst, dass ich dem so gar nichts entgegen zu setzen habe und scheinbar hilflos mitgezogen werde.


~ She’s all I ever had ~


Ich möchte so gern das alles hinter mir lassen, nicht mehr denken, nur fühlen und darauf vertrauen, dass mein Herz den Weg kennt. Aber ich weiß nicht ob ich dafür schon stark genug bin, ertragen kann was folgt wenn dem nicht so ist. Meinen Weg will ich weitergehen, egal wo er mich hinführt, aber noch zaudere ich, stehe an der Kreuzung und versuche mich dem leichten Weg zuzuwenden, mich vor den Steinen und Entscheidungen zu drücken, die meiner warten. Doch schrecken mich auch die Lügen und der Verrat den ich begehe, wenn ich den leichteren Weg wähle, der nicht zu meinem Wesen passt.


~ She’s all I ever had ~


Wie sehr wünsche ich mir einfach Nähe und Geborgenheit in die ich eintauchen kann. Keine Fragen, kein Warum, kein Du darfst aber nicht, kein Das gehört sich nicht. Einfach nur treiben, frei sein, geborgen, Halt finden, Kraft geben, sicher sein. Ist das denn soviel was ich möchte?

Das Leben wartet auf mich, wartet auf meine Fragen und auch auf meine Antworten. Und egal was ich auch tue oder unterlasse, es geht weiter.

Manchmal muss man erst in Worte fassen, was einen plagt, erfreut oder trauernd zurücklässt. Oft findet man die Lösung in den eigenen Worten und Gedanken.
Auch wenn es dann noch dauert, bis man frei ist und tut, worum man schon lange weiß, dass es nötig ist. Der Weg findet sich und die Dunkelheit wird wieder weichen.







01.09.2005
© Sean Dimitjana

Donnerstag, August 11, 2005

Abschied

Dir zuzusehen,
wie Du mit den Kopfhörern auf dem Kopf
die Musik mitspielst, mitsingst
und ganz darin eintauchst,
eins damit wirst,
faszinierend

Deinen versonnen Blick zu spüren,
den Träumen in deinen Augen zu folgen,
sie mit Dir zu teilen
und noch tiefer darin zu versinken,
berauschend

Deine warmen Hände
auf meiner Haut zu spüren,
die mich zärtlich wecken
und in einen neuen Tagtraum entführen,
was soll ich schon dagegen tun

Dir ergeben sein, Dir vertrauen
und mich vollkommen frei fallen lassen,
mit Dir sein und bleiben,
nie hätte ich erahnen können,
wie sehr ich dem verfalle

Du bist meine Droge, die mein Leben erhellt,
mich Lachen lässt und auch graue Tage sonnig macht,
wie konnte ich Dich gehen lassen

Du mit Deiner unglaublichen Art,
nichts lässt Du zählen
das unberechtigter Trübsinn hätte sein können,
stetig sehe ich Dein Gesicht vor mir, Dein Zwinkern

Dein ‚Nun komm schon’, hat mich manchen Nerv gekostet
und ihn mit unendlicher Freude aufgewogen,
diese Tage will ich nicht missen müssen

Du hast, egal wie, immer einen Weg zu mir gefunden,
da konnte ich noch so alles verschließen
und mich in mich zurückziehen,
Du kanntest die Wege, hattest alle Schlüssel

Du fragtest nie warum, sondern nahmst es als gegeben,
wenn Dir etwas auf den Nägeln brannte,
bin ich meist von allein gekommen,
weil ich Deine Unruhe gespürt habe

Deine schier nicht enden wollenden Fragestunden,
wenn Du nicht verstandest was ich meinte
und Du es aber doch unbedingt wissen wolltest,
sie werden mir fehlen

Dir noch ein letztes Mal nahe sein,
mit Dir teilen,
was so lang uns beide verband,
wie schön wäre das,
aber es geht nicht, darf nicht sein,
soll nicht noch mehr Tränen und Schmerz wecken

Du bist nicht da als ich gehe,
hab meine Tasche gepackt
und sehe mich ein letztes Mal um,
dann schließt sich die Tür hinter mir


So vieles wollte ich Dich noch fragen,
aber Du hättest mir wohl nicht geantwortet
und so werd ich mich wohl den Rest meines Lebens fragen,
was ich für Dich war.......





© Sean Dimitjana
11. & 12.August 2005

Sonntag, Juli 24, 2005

Since you

Since you've been gone
I can breathe for the first time



Seit dem du fort bist, kann ich zum ersten Mal wieder atmen. Es ist schon ein seltsames Gefühl, das ich jetzt in mir trage. Aber ich werd’ damit schon klar kommen, so wie immer.
Ich sitze am Fenster und starre hinaus, während die Tränen sich endlich ihren Weg über meine Wangen bahnen. Einsam fühl ich mich und doch atme ich seit langem zum ersten Mal wieder frei ohne Einschränkungen, kein Wort, keine Berührung die mich hindert.
Zweifelsfrei, ich liebe dich noch. Daran wird sich wohl auch nie etwas ändern. Leider hab ich das etwas zu spät begriffen. Aber so ist das eben mit mir und ich habe keinerlei Recht dich zurückzuverlangen. Auch dafür ist es etwas zu spät.
Doch ich werde die Tür offen lassen und warten. Vielleicht habe ich ja doch noch eine Chance.



Since you've been gone
I can breathe for the first time



Oh verdammt, ich will dich nicht hergeben müssen. Ich will behalten was mir schon lang nicht mehr gehört. Die Momente des geborgten Glücks gehören mir und ich geb’ sie nicht her. Das ist alles was mir bleibt und doch bin ich endlich wieder ganz frei.
Warum ist es so verwirrend es nicht mehr ändern zu können? Wieso kann ich erst ehrlich sein, wenn ich verloren habe wofür ich gekämpft habe? Aber habe ich überhaupt gekämpft?
Worin besteht meine Welt noch?
Sicher mir sind die Dinge nicht direkt zugeflogen und doch, wirklich etwas getan dafür – das habe ich nicht. Zumindest nicht in meinen Augen. Diese Welt ist seltsam und fremd.



Since you've been gone
I can breathe for the first time


Ich bin neugierig, unsicher und voller Erwartungen. Endlich werde ich auf eigenen Beinen stehen, meinen Weg gehen. Auch wenn beschützende und stützende Hände um mich herum sind, so bin ich zum ersten Mal wirklich auf mich gestellt. Es wird ein Abenteuer werden, dessen bin ich mir sicher.
Und diesmal werd’ ich nicht wieder auf der Strecke bleiben.



24.07.2005
© Sean Dimitjana

Roter Mond - überarbeitet

Roter Mond, du tauchst die Nacht in purpurnes Licht,
blutig stehst du über dem Land und verbreitest deinen Schimmer.
Sag, wer hat Übles getan, dass du so zürnst?

Ein dunkles Feuer scheint zu brennen am Horizont,
wohin ich mich auch wende, überall leuchtet es,
purpurn liegt es über allem.

Und als wär’ der Himmel eins mit dir, du roter Mond,
öffnet er seine Tore, lässt Sinnfluten wall’n,
es stürmt und flutet, taucht das Land in Wasser,
über all’ dem der rote Schein meines zürnenden Mondes.

Lass dich besänftigen, du zorniges Wesen,
du Gott des milden Lichts der Liebenden,
komm’ zu mir, steig’ von deinem Platz
und find’ deine Ruh’ in meinen Armen.

Komm’ du roter Mond, komm’ zu mir,
hörst du nicht meinen Ruf?
Was auch immer geschehen ist, verdränge es,
komm zu mir, lass dich besänft’gen.

Lass den Liebenden deinen sanften Schein,
gewähr’ ihnen Zuflucht, wo die Sonne sie verstößt,
weil am Tage nicht sein darf, was verboten.

Komm’ mein roter Mond, komm’ in meine Arme,
lass’ dich wiegen, zärtlich besingen,
ich fang’ dich auf, besänftig’ dein schmerzend’ Herz.

Komm’, komm’.
Lass mich nicht rufen und warten,
gib Antwort, du sehnlich Vermisster.

Viel zu selten bist du bei mir,
nur in der Fern’ kann ich dich stets seh’n.

Und nun bist du zornig,
legst deinen roten Schein über das Land,
willst hinwegfegen alles mit deiner Hand.

Komm’ zu mir, mein roter Mond,
erzähl’ was gescheh’n,
schütt’ aus dein Herz,
auf dass ich es besänftige.

Komm’ zu mir, mein Geliebter,
so lang’ die Nacht noch währt.
Lass’ uns teilen, die Zeit, die uns verbleibt,
ich will dich trösten und lieben.

Rot dein Schein am Himmel steht,
während du neben mir liegst,
ich lausch’ deiner Stimme
und seh’ nun was war.

Von Eifersucht getrieben,
wurden die Liebenden entzweit,
fanden sie keinen ander’n Weg,
als gemeinsam zu geh’n,

Dein roter Schein führte sie,
leuchtete ihnen den Weg,
brachte sie in einen kleinen Hain,
zur letzten Ruh’.

Dein Kopf ruht an meiner Brust, mein Geliebter,
ich hoff’ du fandest Trost in jener Nacht,
in der zwei Liebende sich um ihr Leben brachten.

Was auch geschieht, komm’ zu mir,
du wirst bei mir deinen Trost stets finden
und bis zur Dämmerung sicher sein.

19.07.2005, überarbeitet am 24.07.05
© Sean Dimitjana